Meldungen
zu Hartz IV
März 2010
Das Schonvermögen für die Altersvorsorge wird auf 750 € pro
Lebensjahr angehoben.
RP-Online 29.6.2006
Laumann kündigt massive
Änderungen bei Hartz IV an
Der neue nordrhein-westfälische
Arbeitsminister
Karl Josef Laumann (CDU) hat für den Fall eines Machtwechsels im
Bund
eine Generalüberholung der Hartz-Reformen in Aussicht gestellt.
Außerdem würde eine CDU-geführte Regierung nach
Laumanns Worten die
Personal-Service-Agenturen (PSA) abschaffen. "Private Zeitarbeitsfirmen
machen das genauso gut", wird er zitiert.
Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, die Bezugsdauer
des
Arbeitslosengeldes I enger an die Dauer der Einzahlung zu koppeln. "Wir
dürfen Menschen, die jahrzehntelang eingezahlt haben, nicht nach
zwölf
Monaten ins Arbeitslosengeld II schicken." Auch Änderungen
bei den
Vermögensfreigrenzen hält Laumann für geboten. "Wir
müssen Rücklagen
für die Zeit nach dem 65. Lebensjahr, die mit Riester-Produkten
vergleichbar sind, von der Anrechnung freistellen", sagte
Laumann den
Angaben zufolge.
Sozialverband Deutschland Presseportal, 29.6.2005
"Wir unterstützen insbesondere die Forderung des
Ombudsrats nach einer Angleichung des Arbeitslosengeldes in Ost- und
Westdeutschland. Weiteren Korrekturbedarf sehen wir bei den zu
geringen Freibeträgen für die Altersvorsorge. Der Grundfreibetrag
muss deutlich erhöht werden."
Spiegel Online, 4.5.2005
Union will
Arbeitslosengeld länger zahlen
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Johannes
Singhammer (CSU) äußerte sich im "Münchner Merkur"
ähnlich. "Die
Ungerechtigkeit muss ein Ende haben, dass ein Arbeitsloser, der 30
Jahre Beiträge gezahlt hat, genauso behandelt wird, wie jemand,
der
nach drei Berufsjahren seinen Job verliert", sagte der
CSU-Arbeitsmarktexperte. Nach der Hartz-IV-Regelung wird ein
Arbeitsloser bereits nach einem Jahr unabhängig von den
Berufsjahren
auf das deutlich niedrigere Arbeitslosengeld II heruntergestuft. In
früheren Jahren gab es das Arbeitslosengeld I bei über
57-Jährigen
bis zu 32 Monate.
"So sparen Agentur und Steuerzahler"
Auch hinsichtlich der Anrechnung von Lebensversicherungen auf das
Vermögen von Arbeitslosen forderte Singhammer mehr Gerechtigkeit.
Der CSU-Politiker kritisierte, dass Arbeitslose bei Überschreitung
bestimmter Freibeträge ihre Lebensversicherung verkaufen
müssten, um
später als Rentner wieder Sozialhilfe zu bekommen.
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yahoo! Nachrichten, 16.11.2004, (dito Berliner Kurier)
Hartz-IV-Folgen - Arbeitsloser soll
wegen 18 Euro umziehen
Göttingen
(ddp-nrd). Weil seine Miete ganze 18,34 Euro über der neuen
Angemessenheitsgrenze liegt, soll ein Arbeitsloser in Göttingen
nach
dem Willen der Agentur für Arbeit umziehen. «Dieser Vorgang
ist nicht
nur völlig unsensibel und unsozial, er verstößt auch
gegen alle
öffentlich getätigten Zusagen und gegen alle Prinzipien der
Wirtschaftlichkeit,» sagte der DGB-Regionsvorsitzende Sebastian
Wertmüller, der den Vorgang am Dienstag publik machte.
Nach Angaben der
Gewerkschaft verlangt die Agentur von dem Arbeitslosen, kostspielige
Wohnungsvermittler in Anspruch zu nehmen und Zeitungsanzeigen zu
schalten. Sonst würden die derzeitigen Mietkosten nur noch in
Höhe der
gesetzlich festgelegten 245 Euro übernommen. «Alleine der
Sachbearbeiteraufwand für diesen monatlichen Vorgang kostet mehr
als
die 18 Euro», kritisierte Wertmüller. Die Gewerkschaft
fordert einen
großzügigen Spielraum bei der Angemessenheit der Miete und
eine
schnelle Anpassung der absurden Vergleichsmieten an die
tatsächliche
Miethöhe in den Kommunen.
Die Göttinger
Agentur für Arbeit wollte den Fall am Dienstag weder
bestätigen noch
dementieren. Die Agentur müsse Arbeitslose jedoch darauf
hinweisen,
wenn deren Miete nach dem Wohngeldrecht nicht angemessen sei, sagte der
Teamleiter Arbeitslosengeld II, Heinz Haferkamm.
rbi-aktuell.de, 13.11.2004
Vertreibung
von Mietern durch Hartz IV hat schon begonnen
Was
man eigentlich erst im
nächsten Jahr erwartet hatte, ist bereits eingetreten: Die
Vertreibung
von Mietern aus ihren Wohnungen durch Hartz IV. Wie der Bochumer
Mieterverein meldet, hat eine Frau aus Günningfeld bereits eine
schriftliche Aufforderung von der „Arbeitsagentur“ bekommen, ihre
Wohnung zu verlassen und eine kleinere Wohnung zu suchen mit der
Drohung, sonst würde ihr kein Arbeitslosengeld 2 zugebilligt.
Damit
sind die Lügen der Bundesregierung, die genau die Voraussagen
dieser
Vertreibungen und anderer Brutalitäten von Hartz IV als
„Panikmache“
und „das alles wird nicht eintreten“ zurückwies, bereits
aufgeflogen.
Dabei
hat die Frau noch nicht einmal, so wie viele Mieter, die
Arbeitslosengeld 2 beantragen müssen, eine zu hohe Miete nach den
örtlichen Höchstgrenzen. Für sie liegt die
Höchstgrenze bei € 4,87 / qm
und sie zahlt nur 4,09 / qm. Die Wohnung ist aber nach Ansicht der
„Arbeitsagentur“ zu groß. Sie wohnt in 57 qm, 12 mehr als ihr
„zustehen“.
Bezogen auf ihre Miete geht es dabei um einen Betrag von lediglich €
13,65 pro Monat.
N24, 10.11.2004
Alle
sollen "Hartz IV" wollen
Das Bundeswirtschaftsministerium plant
eine millionenschwere
Kampagne zur Vermittlung der umstrittenen Arbeitsmarktreform "Hartz
IV". Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, soll die Kampagne
14 Millionen Euro kosten. Die Ausschreibung für die acht Millionen
Euro
teure Werbe- und die sechs Millionen Euro umfassende PR-Kampagne
läuft
seit dem 26. Oktober und endet, da ein beschleunigtes Verfahren
eingeleitet wurde, am 10. November.
Ein Angebot vorlegen sollen
mindestens drei, maximal sechs Agenturen. Beworben hat sich nach
Informationen der Zeitung auch die Agentur Ahrens&Bimboese, die
auch für Kampagne "Teamarbeit Deutschland" sowie PR-Aktionen
für
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verantwortet.
Mein persönlicher Kommentar: 1) Das
Geld sollte man besser den Arbeitslosen geben. 2) Durch Werbung wird
Hartz IV auch nicht besser.
Spiegel
- Online, 2.9.2004:
Der Sprecher der Ost-Landesgruppe der
SPD-Bundestagsfraktion, Siegfried
Scheffler, verlangte in der Chemnitzer "Freien Presse" höhere
Freigrenzen bei der Vermögensberechnung. Die jetzige Regelung
stehe im
krassen Gegensatz zu bislang erhobenen Forderung nach einer
ausreichenden privaten Altersvorsorge. Scheffler schlug vor,
angespartes Vermögen wie die Riester-Rente zu behandeln und erst
mit
dem Renteneintritt auszuzahlen.
Tirol
- Online, 21.8.2004:
CDU-Politiker Geißler hält Hartz
IV für verfassungswidrig
Anrechnung
von Vermögen "massive Enteignung"
Zweibrücken (APA) - Der CDU-Politiker Heiner Geißler (74)
hält die
Hartz-IV-Reform für verfassungswidrig. Die Gleichstellung von
Arbeitslosen, die unterschiedlich lange in die Sozialversicherung
eingezahlt hätten, werde vor den Verfassungsrichtern zu Fall
kommen,
sagte Geißler dem "Pfälzischen Merkur" (Samstag). "Die CDU
hätte ...
nach meiner Auffassung Hartz IV überhaupt nicht zustimmen
dürfen."
Die Anrechnung von Vermögen sei
eine "sehr massive Enteignung". Damit
werde Privatvermögen sozialisiert, das sich die Betroffenen
während
ihres Arbeitslebens zur Altersvorsorge erwirtschaftet hätten.
"Falsch
ist auch, dass jeder Job auch mit minimaler Bezahlung angenommen werden
muss. Das ist geradezu eine Einladung zu Lohndumping - das Ende jeder
Qualitätsarbeit", kritisierte der frühere
CDU-Generalsekretär.
Schaumburger
Nachrichten Online, 21.8.2004:
Thüringens Ministerpräsident
Dieter Althaus (CDU) will die
Anrechnung der Altersversorgung kippen. Es müsse geprüft
werden, welche
private Altersvorsorge ebenso freigestellt werden könnte wie die
Riester-Renten, sagte er dem «Focus». «Wir haben
nichts davon, wenn wir
die Menschen zwingen, alle Rücklagen aufzubrauchen, und sie im
Alter
aus Steuermitteln alimentiert werden müssen.»
Saarlands
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) möchte laut
«Spiegel» mit einer
Bundesratsinitiative erreichen, dass das Arbeitslosengeld nicht wie
vorgesehen für die bis 55-Jährigen generell nur ein Jahr
gezahlt wird.
Stattdessen solle die Bezugsdauer davon abhängig sein, wie lange
ein
Arbeitnehmer in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat.
Außerdem
wolle Müller gesetzlich sicherstellen, dass Empfänger von
Arbeitslosengeld II künftig nicht gezwungen werden können,
ihre
Lebensversicherungen zum Rückkaufwert aufzulösen.
Financial
Times Deutschland, 18.8.2004:
Gabriel fordert umfassende
Nachbesserung bei Hartz IV
In einem Interview
mit dem Hamburger Magazin "Stern" sagte Gabriel, die
Altersvorsorge solle generell von der Anrechnung auf das
Arbeitslosengeld II ausgenommen werden. "Alles, was Menschen davor
bewahrt, im Rentenalter zum Sozialleistungsempfänger zu werden,
muss
der Staat schützen. Da würde ich sehr weit gehen."
Verbraucherzentrale,
Bundesverband, 12.08.2004:
In der Debatte um Nachbesserungen bei Hartz IV
fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Erhöhung
der
geltenden Grund- und Altersvorsorgefreibeträge. "Die jetzigen
Freibeträge sind viel zu niedrig. Die daraus resultierende Rente
ist
lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein", so Manfred Westphal,
Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim vzbv. "Die zu
niedrigen Freibeträge nehmen den Verbrauchern Sicherheit und
Motivation, eigenverantwortlich für das Alter vorzusorgen."
Reuters 12.8.2004:
Juso-Chef Björn
Böhning forderte eine Erhöhung
der Freibeträge für Altersrückstellungen und
Vermögensanrechnung. "Wir
brauchen höhere Freibeträge, dann haben wir auch eine gute
Reform",
sagte er Reuters TV.
Tagesspiegel
Online 8.8.2004:
Bütikofer
räumt Widersprüche bei Hartz IV ein
Berlin (dpa) - Der
Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer hat Widersprüche
bei der Arbeitsmarktreform Hartz IV eingeräumt. Man könne
kritisieren, dass einerseits Privatvorsorge verlangt werde,
Lebensversicherungen dann aber zu verrechnen sind, sagte er im
Deutschlandfunk.
Finanzen.Net
vom 8.8.2004:
Arbeitslosenhilfe – bekommt nur, wer
vorhandenes Vermögen bis auf Freibeträge aufgebraucht hat.
"Diese Beträge sind viel zu
niedrig", findet Edda Müller, Chefin des Bundesverbands der
Verbraucherzentralen. "Das führt
dazu, das Geld aus Angst vor HartzIV unter die Matratze zu legen."
Allianz-Leben-Chef Gerhard Rupprecht pflichtet bei: "Es macht keinen
Sinn, die Sozialversicherung bei Arbeitslosigkeit zu entlasten, wenn
sie dafür im Alter einspringen muss."
N24
/ Financial Times Deutschland 5.8.2004:
Nicht mehr
verfassungskonform
Die Arbeitsmarktreformen könnten
Rechtsexperten zufolge dazu führen, dass die deutschen
Sozialgesetze teilweise nicht mehr verfassungskonform sind. Wolfgang
Spellbrink, Richter am Bundessozialgericht, sagte der Chemnitzer
"Freien Presse", dass es nach den Leistungskürzungen in der
Arbeitslosenversicherung verfassungsrechtlich nicht mehr zu
rechtfertigen sei, Beiträge in Höhe von 6,5 Prozent des
Bruttolohnes für diese Versicherung zu erheben.
Leiste ein soziales
Zwangs-Sicherungssytem deutlich weniger, als der Bürger bei
privater Vorsorge erzielen könnte, delegitimiere sich dieses
System unter dem Gesichtspunkt der im Grundgesetz festgeschrieben
Persönlichkeitsrechte. Die allgemeine Handlungsfreiheit werde
verletzt, ohne dass dies mit einer adäquaten Gegenleistung
begründet werden könnte, wurde Spellbrink zitiert.
"Erhöhter
Eingriff in die Grundrechte"
Der Kölner Verfassungsrechtler
Heinrich Lang vertrat ebenfalls in der "Freien Presse" die Ansicht
eines erhöhten Eingriffs in die Grundrechte. Zur Begründung
sagte Lang, erworbene Ansprüche seien nicht nur bei der
Arbeitslosenversicherung, sondern auch bei der Kranken- und
Rentenversicherung per Gesetz gestrichen worden.
Berliner Morgenpost 6.8.2004:
Berlin - Die Verunsicherung in
Zusammenhang mit dem Hartz-IV-Gesetz, das Arbeitslosen- und Sozialhilfe
zusammenführt, nimmt dramatische Züge an. Aus Angst um ihr
Geld lösen viele arbeitslose Berliner ihre Sparkonten auf oder
kündigen ihre Lebensversicherungen, um bei der Neuberechnung ihrer
Anträge unter den Vermögensfreibetrag zu fallen. Das hat eine
Morgenpost-Umfrage bei Banken und Versicherungen ergeben.
Rolf Schäfer, Christlich
Demokratische Arbeitnehmerschaft, 2.8.2004:
„Das Gesetz ist schlampig gemacht und
entwickelt sich zu einem bürokratischen Monster“, meinte
Schäfer und verlangte die zeitliche Aussetzung des Gesetzes.
Noch schlimmer sei für die
Arbeitnehmer in der CDU das gesellschaftspolitische Signal durch die
zum 1. Januar 2005 geplante Einführung des Arbeitslosengeldes II,
das sich auf Höhe der Sozialhilfe bewegt. Der bewährte und
richtige Grundsatz der Sozialen Marktwirtschaft, dass sich Leistung
lohnen müsse, werde ins Gegenteil verkehrt. „Wer als Arbeitnehmer
über Jahrzehnte Beiträge einbezahlt hat, wird im Falle
unverschuldeter längerer Arbeitslosigkeit genauso behandelt wie
derjenige, der während seines Lebens nichts getan hat. Dies hat
mit Leistungsgerechtigkeit nicht mehr zu tun und ist sozialistische
Gleichmacherei", so die Kritik der CDA.
Das neue Gesetz sei auch ein Schlag
gegen diejenigen, die wie von der Politik immer gefordert, seit
längerem private Vorsorge als Ergänzung zur betrieblichen
Rente betrieben hätten.
„Wer über Jahrzehnte zum
Beispiel in eine Lebensversicherung einbezahlt hat, muss im Falle
längerer Arbeitslosigkeit diese Versicherung mit hohen Verlusten
kapitalisieren, ehe er Anspruch auf das zukünftige
Arbeitslosengeld II hat. Man kann doch nicht die Bürger zu mehr
Eigenverantwortung und damit mehr privater Vorsorge für das Alter
auffordern und gleichzeitig im Falle der Arbeitslosigkeit diese
Vorsorgemaßnahmen zunichte machen ", kritisierte Schäfer.
Werde das gesetz nicht zurückgezogen, sei verstärkte
Altersarmut programmiert.
Spiegel-Online
30.7.2004
Berlin/Hamburg - Langsam wird es auch
Mitgliedern in den Regierungsparteien mulmig. Nicht nur
Oppositionspolitiker, auch erste Grüne fordern nun Nachbesserungen
bei der Arbeitsmarktreform Hartz IV. Der sozialpolitische Sprecher der
Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Kurth, verlangte in der
"Berliner Zeitung" höhere Freibeträge bei der Anrechenbarkeit
der Altersvorsorge.
Man könne den Menschen nicht
sagen, sie sollten ihre Altersvorsorge aufbauen, sagte Kurth - um ihnen
die Versicherungen bei Arbeitslosigkeit wieder weg zu nehmen. Schon
jetzt gebe es bei Lebensversicherungen die höchste Storno-Quote
seit zehn Jahren, obwohl die Hartz-IV-Reform erst zum Jahresanfang in
Kraft trete.