Pater Alfred Welker - genannt Don Alfredo - und die Kinder von Cali

- Aktuelles
- Überblick
- Stationen in Don Alfredos Leben
- über Kolumbien
- über Cali
- über Don Alfredos Aufbauwerk
- die alltägliche Gewalt
- die "Hoffnung in der Hölle"
- Daten und Fakten
- warum ich (und viele andere) Don Alfredo unterstütze
- weitere Links zu Don Alfredo

Aktuelles

2018 Konzerte für die Kinder von Cali

2018: Schule in Nürnberg nach Alfred Welker benannt

Hier und da zur Würdigung seines Lebens.

Alfredo ist gestorben. Sein Werk lebt weiter. Nach zähem Kampf konnte er erreichen, dass einige finanzielle Belastungen vom kolumbianischen Staat übernommen wurden. Ein Heiliger unserer Tage hat sein Lebenswerk vollendet. Ich bin dankbar dafür, dass ich - mit vielen anderen - ihm dabei helfen durfte.

Fürsprecher im Himmel? Näheres in einem Artikel in weltweit 2016, dem Heft der Missionsprokur, hier. (pdf-Datei, 443 KB)

Neuer Schwung bei bei den Kindern von Cali. Näheres in einem Artikel in weltweit 2015, dem Heft der Missionsprokur, hier. (pdf-Datei, 211 KB)

Eine Schule konnte gerettet werden. Näheres in einem Artikel in weltweit 2014, dem Heft der Missionsprokur, hier. (pdf-Datei, 883 KB)

Das neueste Heft über Pater Welker erhalten Sie bei der Missionsprokur Nürnberg, Königstr. 64, 90402 Nürnberg, Tel. 0911-2346160

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Padre Alfredos Besuch in Deutschland 2002

Beim Besuch im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus im November 2002 konnte uns Padre Alfredo Mut machen:

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Überblick

Seit dem Jahre 1981 lebt Pater Alfred Welker nun schon bei den einst vergessenen Kindern von Cali.
Eigentlich wurde der Jesuitenpater nach Kolumbien geschickt, um eine Pfarrei zu übernehmen. Doch dies war ihm nicht genug.
Don Alfredo, wie er dort genannt wird, hat Beispielhaftes geleistet: Inmitten von wirtschaftlichem Elend und Ausbeutung, Gewalt und Korruption, Drogen und Bandenkriminalität hat sein Aufbauwerk den Menschen Mut gemacht.

täglich ein warmes Essen
Arbeit in der Lehrwerkstatt
lernen kann Spaß machen
Helfen Sie mit:
1 Lehrer kostet monatlich ca. 150 €
1 Grundschulplatz im Jahr 170 €

Bankverbindung für Spenden:  Missionsprokur der Jesuiten 
Liga-Bank Nürnberg, IBAN DE61750903000005115582

Bitte im Verwendungszweck angeben: X30600 Welke

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Stationen in Don Alfredos Leben

Von Nürnberg nach Kolumbien

Seit 1981 lebt und arbeitet der deutsche Jesuit Alfred Welker in den Elendsvierteln der kolumbianischen Drogenmetropole Cali. Und er versucht, der Gewalt den Nährboden zu entziehen, indem er den Menschen Arbeit, Hoffnung und Bildung gibt. "Padre Alfredo" nennen die Menschen den Jesuiten aus Franken, und sie haben ihm noch einen Namen gegeben: "El Senor de los milagros" – "Herr der Wunder". So heißt die Pfarrei, die Padre Alfredo leitet, und für die Menschen in den Elendsvierteln von Cali grenzt es wirklich an ein Wunder, was die Pfarrei leistet.

1939 wurde Alfred Welker in Forchheim/Oberfranken geboren und wuchs in  Stiebarlimbach, einem kleinen Dorf bei Bamberg auf. Er studierte Theologie und wurde am 8. März 1964 geweiht. Zwei Jahre lang arbeitete der junge Kaplan in der Jugendarbeit – und kam dabei in Kontakt mit den Jesuiten.

Jugendarbeit

Alfred Welker wurde Jesuit. Die Ordensoberen sandten den jungen Priester zu weiteren Studien nach Innsbruck. Hier lernte er einen Ordensbruder kennen, der seinen künftigen Weg entscheidend beeinflussen sollte. In Innsbruck, an der Hochschule der Jesuiten, studierte auch ein junger Priesteramtskandidat aus Kolumbien. Alfred Welker hörte interessiert zu, als der Südamerikaner über sein Heimatland berichtete. Die Eindrücke, die er aus den Berichten des Kolumbianers gewann, sollten ihn nie mehr los lassen.

Alfred Welker kam nach Regensburg. Für kurze Zeit arbeitete er in der Bistumsstadt in der Jugendarbeit mit und bewies Organisationstalent, Einfühlungsvermögen und Engagement. Die Ordensleitung sandte ihn daher nach Nürnberg. Hier, im Caritas-Pirckheimer-Haus, der heutigen Akademie der Erzdiözese Bamberg, "hat er eine Jugendarbeit aufgezogen, wie man es sich heute nicht mehr vorstellen kann", meint Pater Joe Übelmesser, Missionsprokur der Jesuiten in Nürnberg. 1960 war das Haus als Jugendfreizeitheim errichtet worden, aber erst mit Alfred Welker zog in den siebziger Jahren das Leben ein. 3500 Jugendliche, die wöchentlich an Kursen, Veranstaltungen und immer wieder Diskussionsforen teilnahmen: Heute unvorstellbare Zahlen in der kirchlichen Jugendarbeit, und auch schon damals eine beachtliche Größenordnung.

Alfred Welker organisierte Tanzabende, Schweißkurse, Bastel- und Nähkreise, veranstaltete große Fahrten mit hunderten Jugendlichen durch ganz Europa. Und immer wieder lud er zu langen Diskussionen ein, vor allem auch über Themen aus der "Dritten Welt". Es war die Zeit der 68er Jugendrevolte, und gegenüber dem Caritas-Pirckheimer-Haus wurde das erste "autonome Jugendzentrum", "KOMM", gegründet, das später bundesweit Schlagzeilen machte, weil Jugendliche es besetzt hielten.

Ein Jesuitenpater wäre von den Jugendlichen nie so ernst genommen und bewundert worden wie Alfred Welker, hätte er nicht so radikal gelebt wie der Jesuit aus Franken. Alfred Welker wandte einen großen Teil seiner Zeit für die Arbeit mit jugendlichen Randgruppen auf. Jungen Obdachlosen schuf er ein Übernachtungsheim. Er holte sie von der Straße, redete nächtelang mit ihnen, zog sogar zwischenzeitlich selbst in das Übernachtungsheim, um die Schranken zu den obdachlosen jungen Menschen niederzureißen. Immer stärker band er ausländische Kinder und Jugendliche, um die sich damals noch niemand kümmerte, in die kirchliche Jugendarbeit ein. Noch heute existiert als Ergebnis dieser Bemühungen in Nürnberg das internationale Jugendzentrum der Kirche, das auch 20 Jahre später noch voller Leben ist.

In diesen Jahren hatte Alfred Welker Kolumbien nie verdrängen können. Viele junge Leute aus Nürnberg begeisterte er derart für die Idee, sich mit dem Land zu beschäftigen und den Menschen dort irgendwie zu helfen, dass er sogar mit einer ganzen Gruppe in das lateinamerikanische Land fuhr.

Alfred Welker hatte seinen Entschluss längst gefasst. Er wollte selbst in Kolumbien leben, als Priester für die Menschen dort arbeiten.

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Kolumbien

Größe:

Kolumbien ist mit 1138914 km viertgrößtes Land Lateinamerikas und etwa drei Mal so groß wie die Deutschland.

Einwohner:

Kolumbien hat heute rund 42 Millionen Einwohner. 70% der Bevölkerung leben in den Städten. 30% auf dem Land. Die Bevölkerungswachstumsrate liegt bei 3%.

In den vier größten Städten des Landes (Bogotá, Medellin, Cali, Barranquilla) leben fast 30% der Gesamtbevölkerung.
Die Städte verzeichnen rasches Wachstum und an ihren Rändern vergrößern sich ständig die Elendsviertel. Die Landflucht ist enorm. Um der Verarmung auf dem Lande entgehen, ziehen viele Bauern in die Städte, in der Hoffnung, dort Arbeit und bessere Lebensbedingungen vorzufinden.

Bevölkerung:

68% der Bevölkerung sind Mestizen, 20% Weiße, 10% Neger, Mulatten und Zambos, nur noch 2% reinrassiger Indigenas (Indios). Über 90% der Bevölkerung sind katholisch. Rund 30% sind Analphabeten.

Gesundheitswesen:

Rechnerisch stehen für 2000 Einwohner ein Arzt und 4 Krankenhausbetten zur Verfügung. Ein Zahnarzt hat mehr als 7000 Patienten zu betreuen. ( In der Bundesrepublik betreut ein Arzt ca. 500 und ein Zahnarzt ca. 2000 Patienten, für 1000 Einwohner stehen hier ca. 35 Krankenhausbetten zur Verfügung.)

80% der Bevölkerung unter 15 Jahren sind unterernährt. Von 1000 Kindern sterben 87 im ersten Lebensjahr, jedes hundertste Kind ist eine Totgeburt. Über 2/3 der Bevölkerung wird nicht älter als 33 Jahre.

Landschaft:

Drei Großlandschaften herrschen vor: Die Küstenebene (der Pazifik im Westen, der Atlantik im Norden), die in drei Kordilleren gegliederten Anden und das riesige Tiefland im Osten, das sich in Steppe und Urwald aufgliedert.

Wirtschaft:

Kolumbien ist ein superfruchtbares Land. In manchen Regionen gibt es drei bis vier Ernten im Jahr. Nach wie vor ist die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftszweig. Die vielen kleinbäuerlichen Betriebe verfügen aber z.T. über weniger als 1 ha Land, während die wenigen Großgrundbesitzer über mehr als 1000 ha bestes Land verfügen. Diesen Großgrundbesitzern stehen 1.2 Millionen besitzlose Campesino-Familien gegenüber. Insgesamt sind 65% des bebauten Landes in Händen der Großgrundbesitzer, die wiederum nur 3,6% der Landbesitzer überhaupt ausmachen. Wichtigstes landwirtschaftliches Produkt ist der Kaffee. Kolumbien ist nach Brasilien der größte Kaffee-Exporteur der Erde und ist zur Zeit mit 17% am Weltumsatz beteiligt.

Etwa 70% des in der Bundesrepublik verbrauchten Kaffees stammen aus Kolumbien.

Zweitwichtigstes landwirtschaftliches Exportgut ist die Baumwolle, weitere wichtige Exportgüter sind Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Bananen, Tabak, sowie Rindfleisch. Berühmt ist Kolumbien auch wegen seines Blumenexportes, hauptsächlich Orchideen aus dem Raum Medellin.

Kolumbien ist besonders gesegnet mit Bodenschätzen. Nach Venezuela und Ecuador hat es die größten Erdölreservoirs Südamerikas. Es hat die bedeutendsten Gold- und Platinvorkommen Südamerikas und ist der zweitgrößte Smaragdexporteur der Welt. Außerdem verfügt Kolumbien über Eisenerz, Kupfer, Zink, Quecksilber, Titan, Blei, Uran und Kohlevorkommen. Die Industrie wurde nach dem 2. Weltkrieg ausgebaut, es handelt sich dabei jedoch vorwiegend um Konsumgüterindustrie ( Textil-, Nahrungsmittel-, Getränke-, Schuh-, Papierindustrie) und weniger um Investitionsgüterindustrie (z.B. Maschinen). Diese Industrieanlagen befinden sich, ebenso wie viel Plantagen, in der Hand multinationaler Konzerne, mit der Folge, dass ein Großteil des erwirtschafteten Kapital vom Ausland abgesaugt wird.

Halten wir fest: 10% der Bevölkerung beziehen 44% des Gesamteinkommens, während sich 66% der Bevölkerung mit knapp 25% des Gesamteinkommens abfinden müssen.

Heute ist Hauptdevisenbringer Kolumbiens nicht mehr der Kaffee, sondern der Kokain- und Marihuanaschmuggel. Die Gewinne allein aus dem Marihuanaschmuggel werden auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Macht der kolumbianischen Drogenbosse ist nahezu unermesslich. Sie pumpen Millionen von Dollars in die Wirtschaft des Landes. Sie boten sogar an, die Auslandschulden Kolumbiens zu begleichen, wenn die Regierung ein mit den USA geschlossenes Auslieferungsabkommen für Drogenschmuggler rückgängig mache... .

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Cali

Santiago de Cali wurde 1536 von Sebastián de Belalcazar gegründet und ist inzwischen die Metropole Südkolumbiens und Regierungssitz des Departmentos (Bundesland) Valle De Cauca.

Seit der Volkszählung vom November 1993 ist Cali mit offiziell 1.870.000 Gezählten die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Da jedoch davon auszugehen ist, dass viele Menschen hauptsächlich aus den bevölkerungsreichen Elendsvierteln nicht mitgezählt wurden und Cali aufgrund der günstigen klimatischen Lage und der Attraktivität als Metropole enorme jährliche Zuwachsraten hat, muss mit weit über zwei Millionen Einwohnern gerechnet werden. Cali ist eine äußerlich betrachtet wenig attraktive Stadt: Die koloniale Bausubstanz ist in den 60er und 70er Jahren modernen Bank-, Verwaltungs- und Industriegebäuden gewichen. An den Rändern der Stadt, vor allem im Südosten, wuchern die Elendsviertel und Invasiones (Ansammlung von primitivsten Siedlungen aus Holz- und Bambushütten, deren Bewohner das Land invadiert, d. h. besetzt haben). Der größte zusammenhängende Sektor aus Elendsviertel und Invasiones in Cali ist der sog. Distrito (Distrikt) de Aguablanca, bestehend aus über 40 Stadtvierteln mit inzwischen über 600.000 Bewohnern. Cali ist, trotz der momentanen Zerschlagung des Cali-Kartells, die Drogenmetropole Kolumbiens. Darüber hinaus ist Cali bekannt als die Hochburg des Salsa, jener beschwingt-rhytmischen Musik, die inzwischen auch in Europa immer beliebter wird. Cali war 1971 Ausgangsort der panamerikanischen Spiele, der Schwimmweltmeisterschaften 1975 und der Pazifik-Spiele 1995.

Die Pfarrei "Nuestro Senor de los Milagros"

liegt im Distrito de Aguablanca und umfasst die beiden Viertel "el Vergel" und "El Retiro", die zusammen 62.000 Seelen zählen! El Vergel und El Retiro gehören zu den gefährlichsten und verruchtesten Vierteln von Cali. Eine Vielzahl der Bewohner vor allem El Retiros stammt von der Pazifikküste, von der sie sich wegen fehlender Infrastruktur, mangelnden Arbeitmöglichkeiten und diversen Naturkatastrophen aufmach(t)en nach Cali, in der Hoffnung, dort ein besseres Leben zu finden und bessere Überlebensmöglichkeiten zu haben, was sich jedoch in den meisten Fällen als Irrtum herausstellt(e). Pater Alfred Welker SJ begann seine Arbeit in Vergel/Retiro Ende August 1981 und hat seitdem mit Hilfe der Freunde aus Deutschland und den ungezählte Mitarbeitern vor Ort, ein riesiges Bildungs-, Arbeits- und Sozialprogramm aufbauen können. Die Parroquia Nuestro Senor de los Milagros (auf Deutsch: Unser Herr der Wunder) leitet ihren Namen vom 60 km weiter nördlich gelegenen Wallfahrtsort Buga ab: Die Kathedrale dort hat ihren Namen "El Senor de los Milagros" aufgrund einer Legende: eine einfache Indiofrau verdiente ihr Geld mit Waschen und sparte von ihrem kümmerlichen Lohn für den Kauf eines Kruzifix. Als deren Bruder jedoch im Gefängnis war, verwendete sie das Geld für die Kaution ihres Bruders, woraufhin anderntags beim Waschen im Fluss ein Holzkreuz auf sie zutrieb und ihr sagte, dass sie recht gehandelt habe, indem sie ihr Geld für ihren Bruder (Nächsten) verwendet hatte. Dieses Holzkreuz wächst laut Legende und ist in der Kathedrale von Buga als Senor De los Milagros ausgestellt.

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Das Aufbauwerk

Kindergärten

Die Kindergärten in El Retiro und El Vergel gibt es seit 1982 und inzwischen sind 320 Kinder in El Retiro und 100 Kindern in Vergel in Gebäuden untergebracht. Sie erhalten dort drei Mahlzeiten täglich, medizinische Versorgung durch die " Ärzte der Dritten Welt " und selbstverständlich auch pädagogische Betreuung täglich von 7.00 bis 18.00 Uhr in den Kindergärten sind darüber hinaus noch sog. sala-cunas (Krabbelstuben) für die ganz kleinen Kinder im Alter von 0 bis 18 Monate untergebracht. Diese salacunas erfüllen eine eminent wichtige Funktion, da sie viele unterernährte Kleinkinder und solche mit Durchfall und Atemwegserkrankungen beherbergen. Für die Kinder der in der Pfarrei angestellten Frauen ist der Platz gratis, alle anderen Mütter müssen 2000 pesos monatlich für ein Kind aufbringen.

Restauranter escoluar (Schulspeisung)

Um den ärmsten Schulkindern wenigstens eine Mahlzeit pro Tag zu garantieren, wurde ein Schulspeisungsprogramm initiiert, an dem zur Zeit täglich rund 600 Kinder teilnehmen. 

Grundschule

In Kolumbien gibt es zwar Schulpflicht, andererseits gibt es gerade auf dem Land und in den Elendsvierteln der Großstädte zuwenige Schulplätze. Darüber hinaus ist es Armen u. a. aufgrund der fehlenden Lehrmittelfreiheit fast unmöglich, ihre Kinder in die Grundschule zu schicken. Aus diesem Grund gibt es seit 1982 in der Pfarrei Grundschulen in Vergel und Retiro.

Insgesamt gehen dort ca  3.500 Kinder zum Unterricht, vormittags 2.100 und nachmittags 1.400.

Die monatlichen Gebühren sind auf 2000 pesos pro Kind festgelegt. 59 Lehrer/innen sind dort angestellt , die z. T. vormittags und nachmittags arbeiten. 

Das Colegio (Gymnasium)

Seit 1987 gibt es in Vergel das pfarreieigene Gymnasium, in dem die beiden Zweige comercial (Wirtschaft) und industrial (Technik) gelehrt werden. Nach der 11. Klasse erwerben die Schüler das Abitur .

Es gehen insgesamt über 3000 Schüler in das Colegio. 57 Lehrer sind für 3 Schichten angestellt, einzelne Lehrer arbeiten zwei Schichten, vier Lehrer sogar alle drei Schichten.

Vier Lehrer werden vom Staat bezahlt, ein Gymnasiallehrer verdient z.Zt.204.00 pesos (ca. 320DM) monatlich.

Die Schüler müssen als monatliche Gebühr 7000 pesos zahlen.

Für die Kurse 10-11 mehr bezahlt werden. Sie sind deshalb teuerer, weil in Ihnen inzwischen auch Computerunterricht gegeben wird. Das Pfarrgymnasium verfügt über 30 Computer, deren Kauf immerhin zum Teil von der Stadt Cali mitgetragen wurde.

Insgesamt 218 Freiplätze im Gymnasium werden von der Stadt Cali und einer Privatorganisation finanziert.

Die meisten Schüler der höheren Klassen arbeiten nebenher, um sich die Schule finanzieren zu können. Ca. 80% von ihnen kommen nüchtern in den Unterricht.

Für Schüler des technischen Zweiges gibt es in Retiro Baracken für den praktischen Unterricht. Dort werden Holzverarbeitung, Elektrizitätslehre, Bauwesen, Schweißen, Kfz-Mechanik und für die Mädchen Schneiderei gelehrt. Jeder Schüler, jede Schülerin hat 4 Stunden praktischen Unterricht.

Der puesto de salud (Gesundheitsposten)

Im April 1985 hat sich das vom deutschen Pater Bernhard Ehlen SJ gegründete "Komitee Ärzte für die Dritte Welt " der Pfarrei angeschlossen und unterhält seitdem in El Retiro einen Gesundheitsposten und seit 1992 ein kleines Kinderkrankenhaus in einem benachbarten Viertel, indem bevorzugt die Kinder der Pfarrei behandelt werden. In der Arztpraxis von Retiro arbeiten immer zwei deutsche Humanmediziner und ein Zahnarzt unentgeltlich, darüber hinaus sind noch ein kolumbianischer Arzt ganztags und einer halbtags angestellt. Der puesto de salud übernimmt die Behandlung aller Pfarreiangestellten und der Kindergartenkinder zu 100 %, alle anderen Patienten bezahlen für eine Sprechstunde 100 pesos und einen Teil der verschriebenen Medikamente. Das gesamte medizinische Hilfspersonal stammt aus der Pfarrei.

Weiterhin gibt es eine sog. terapia, also eine krankengymnastische und logopädische Abteilung. Durch die Arbeit des Komitees konnte die Kindersterblichkeit drastisch gesenkt werden und Abertausende von armen Kranken konnten eine adäquate medizinische Versorgung erhalten. Täglich werden in der Arztpraxis im Schnitt 200 Patienten untersucht.

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Die alltägliche Gewalt

Gewalt hat in Lateinamerika eine andere Dimension als in Europa. In den Slums von Cali geht es dabei nicht nur um ein bißchen Aggression, Anpöbeln oder Anrempeln, sondern es ist fast immer eine Sache auf Leben und Tod. Oft scheint es, als gelte das Leben nichts oder doch nicht viel, sowohl das von anderen, als auch das eigene. Der Fernsehfilm "Der Tod von Jaqueline" hat dies auch einem deutschen Publikum deutlich gemacht.

Jaqueline war 15 Jahre alt, als sie von der tödlichen Kugel getroffen wurde. Sie war mehr ein "Zufallsopfer" der alltäglichen Gewalt in Kolumbien. Eine verirrte Kugel traf das Mädchen, als sie mit einer Freundin am Straßenrand saß. Eigentlich hatte das Geschoss, abgefeuert von einem wütenden Motorradfahrer, den Besitzer eines Pferdefuhrwerks treffen sollen, der ihn von der Straße gedrängt hatte.

Der Filmemacher Bodo Witzke hat in einer Reportage für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) unter dem Titel "Jaquelines Tod" den Wahn dieser willkürlichen Gewalt nachgezeichnet. Jaqueline war in der Pfarrei Alfred Welkers aufgewachsen. Die Mutter, vom Mann mit dem Kind alleingelassen, hatte dankbar die Hilfe der Gemeinde angenommen. Jaqueline wuchs in der Kinderkrippe der Pfarrei auf, besuchte die pfarreigene Schule und war auf dem Weg, ihr Abitur zu machen. Dann wurde das Mädchen von der tödlichen Kugel getroffen.

Alltäglicher Mord

Padre Alfredo wetterte am offenen Sarg des Mädchens: "Ist denn die Bleikugel das einzige Gesetz, das hier gilt? Wir müssen doch lernen, miteinander zu sprechen, wir sind doch keine Wilden!" Wie so oft, ist auch der Mörder Jaquelines nicht zu ermitteln. Täglich werden Menschen in Cali ermordet, verletzt oder ausgeraubt. Die Täter gehen fast immer straffrei aus, weil niemand wagt, sie anzuzeigen, obwohl man sie kennt, und weil die Polizei und Justiz bestochen sind.

"Die Menschen in den Armenvierteln werden "Wegwerfmenschen" genannt, weil sie nichts wert sind", erzählt Padre Alfredo. Die Armen zählen nichts, sie haben in den Augen vieler Reicher kein Recht auf Leben. Von rechtsgerichteten Politikern und Großgrundbesitzern bezahlt, ziehen Nacht für Nacht "Todesschwadronen" durch die Städte Kolumbiens, um den "Abschaum", also Arme, Obdachlose, Prostituierte, drogenabhängige oder Homosexuelle zu ermorden. "Sicarios" nennt man in Kolumbien diese gedrungenen Mörder, die einen Mordauftrag für umgerechnet rund zehn Mark erfüllen. 13jährige Kinder, die in die Banden der "Sicarios" aufgenommen werden wollen, erfüllen Mordaufträge sogar unentgeltlich, um ihre Zuverlässigkeit zu beweisen. Wo es keine Arbeit gibt, da sind Mordaufträge, Botengänge für Drogenhändler oder Diebstähle oft die einzige Möglichkeit, zu überleben. In Cali werden Woche für Woche 60 Menschen ermordet, ein Drittel von ihnen aus politischen Gründen, also weil sie sich etwa als Gewerkschaftler gegen die Ausbeutung der Arbeiter gewandt hatten.

"Die bringen mich um"

Pater Alfred Welker, der von Anfang an zur Gewalt nicht geschwiegen, sondern sie öffentlich angeprangert hat, wurde selbst mehrfach bedroht. Eines abends standen Maskierte mit Maschinenpistolen in seinem Pfarrbüro, schossen auf ihn, wollen ihn mit Gewalt aus dem Haus zerren. "Ich war überzeugt, die bringen mich jetzt um", berichtet der Jesuit, der heute aber überzeugt ist, dass man ihn entführen wollte. Meine Arbeit passte wohl manchem nicht..."

Nicht nur dass dem Padre öfters die "Todeslisten" der von Geschäftsleuten, Politikern und Kriminellen gedungenen Mörder zugespielt wurden und er so die Opfer rechtzeitig warnen konnte. Nein, sein Einsatz für die Armen, seine Versuche, die bestehenden Verhältnisse zu verändern, sind denjenigen, die derzeit die Macht haben, offensichtlich ein Dorn im Auge. Schließlich hat Padre Alfredo sich erfolgreich für das Recht der Menschen eingesetzt, ihre illegal gebauten Hütten im Sumpfland am Rand Calis behalten zu dürfen. Und gleich zu Beginn schuf er ein Abwassersystem, um die unhaltbaren hygienischen Zustände zu verbessern und die regelmäßigen Überschwemmungen zu verhindern.

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Hoffnung in der Hölle

So lautet der Titel eines Buchs, in dem auch Pater Welker zu Wort kommt: Er schildert seine ersten Eindrücke in Cali.
Untertitel: Lateinamerikanische Skizzen
Herausgeber: Jürgen Walter, Konter-Verlag, Nürnberg, 1982

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Daten und Fakten

Stand: Sommer 2002
100 Kolumbianischer Peso = 0.04325 Euro (29. Juni, 2002)

Schülerzahlen:

 

 

 

 

Kindergarten:

420

(davon 30 behinderte Kinder)

Grund- und Hauptschule

(auf 2 Schulen verteilt):

3286

(davon werden 625 von der kolumbianischen Regierung bezahlt)

Gymnasium:

2961

 

 

Abendgymnasium:

280

 

 

 

 

 

 

Schulgebühren:

 

 

 

 

1 Kindergartenplatz:

2000

Pesos/Monat

 

1 Grundschulplatz:

2000

Pesos/Monat

1 Gymnasialplatz:

7000

Pesos/Monat

 

 

 

 

 

(Kosten für Schuluniform und Lehrmittel sind nicht in den Schulgebühren enthalten)

 

 

 

 

Schulplätze, reale Kosten:

 

 

 

 

1 Grundschulplatz:

33 000

Pesos/Monat

(inkl. Materialkosten und Lehrkräften, ohne Schuluniform)

1 Gymnasialplatz:

50 000

Pesos/Monat

 

 

 

 

(pro Gymnasialschüler trägt die Corporación “El Señor de los Milagros” also monatlich also 43000 Pesos, 7000 muss er selbst aufbringen)

 

 

 

 

Lehrer:

 

 

 

Grundschullehrer:

59

(davon werden 18 von der kolumbianischen Regierung bezahlt)

Gymnasiallehrer:

57

 

 

 

 

 

 

Lehrergehälter:

 

 

 

 

Grundschullehrer:

309 000

Pesos/Monat

halbtags

Gymnasiallehrer:

409 200

Pesos/Monat

halbtags

 

 

 

 

Schulspeisung (reale Kosten):

 

 

 

 

eine Mahlzeit

200

Pesos

(im Schulgeld mitenthalten)

 

 

 

 

Gesundheitszentrum:

 

 

 

 

Behandlung:

200

Pesos

 

Erstbehandlung:

1200

Pesos

 

 

 

 

 

Patienten:

ca. 170

täglich

 

 

 

 

 

(Angestellte der Corporación werden kostenlos behandelt. Das Gesundheitszentrum wird durch die Ärzte für die Dritte Welt finanziert)

 

 

 

 

25 Krankenschwestern (davon 7 für Hausbesuche)

2 festangestellte kolumbianische Ärzte

1 festangestellte kolumbianische Logopädin

 

 

 

 

Angestellte der Corporación (hauptsächlich Frauenarbeitsplätze):

 

 

 

 

(Arbeitsgebiete als: Kindergärtnerinnen, Putzfrauen, Köchinnen, Türwächter, Näherinnen, Schreiner, Hausmeister etc.)

 

 

 

 

Kinderkrippe:

42

 

 

Kindergarten:

86

 

 

Grundschule in El Retiro:

88

 

 

Grundschule in El Vergel:

39

 

 

Gymnasium in El Vergel:

65

 

 

Schulrestaurant/Küche:

19

 

 

Kleinunternehmen:

21

 

 

Jugendgruppen:

60

(45 Jugendliche als Gruppenleiter,

15 als Familienbesucher, von der kolumbianischen Regierung finanziert)

 

 

 

 

Allgemeine Daten:

 

 

 

 

Mit 200 000 Pesos bringt man in Aguablanca eine Familie mit ca. 7 Kindern ohne jegliche Probleme gut durch einen Monat.

 

 

 

 

Bevölkerungszahlen: (nur annähernd zu ermitteln)

 

 

 

 

Cali:

2,4 Millionen

zweitgrößte Stadt in Kolumbien,
Hochburg des Drogenhandels

ganz Aguablanca:

600 000

Distrikt mit der höchsten Sterberate in Cali

Comuna 15:

ca.100 000

 

El Retiro:

ca. 20 000

im ganzen Jahr 2002 ist bis heute (26. Juni) noch kein Mensch gewaltsam ums Leben gekommen, im letzten Jahr (2001) waren es bis Juni schon über 30 (früher hatten wir die höchste Sterberate von Aguablanca)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Warum gerade Don Alfredo?

Sicher - Es gibt viele nützliche Projekte in den Entwicklungsländern. Aber oft ist nicht durchschaubar, wohin das Geld fließt. Auch ist nicht immer klar, wer eigentlich den Nutzen hat.
Anders bei  Don Alfredo:
Er ist ein bewährter Mann der Tat (s. o.!). Er hat eigene Ansichten, die sich nicht immer ganz mit der offiziellen Kirchenmeinung decken. So macht er keinen Hehl daraus, dass Empfängnisverhütung nützlich ist.
Vielleicht wurde deshalb seine Arbeit am Anfang nicht unterstützt von offiziellen kirchlichen Hilfsfonds. Nur durch Spenden seiner alten Freunde konnte er das Werk aufbauen. Möge es durch uns am Leben erhalten bleiben!
Wer Pater Welker je persönlich kennenlernen durfte, schätzt ihn als ehrlichen, bescheidenen, dennoch kraftvollen Mann - fast bin ich versucht zu sagen als Heiligen (hoffentlich liest er das nicht). Zumindest kann er mir, uns in Deutschland und den Kindern in Cali ein Vorbild sein.

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letztes Update am 25. Januar 2018