Eine kleine und unvollständige Chronik des
Dritte Welt Ladens
1981 
Entstanden aus der Aktion "Septemberweizen" wird am 27. November um 10 Uhr der
Erlanger Dritte Welt Laden eröffnet. Neben dem Oberbürgermeister und
dem Dekan nimmt auch die Erlanger El Salvador Gruppe mit der Verschleppung eines
Campesinos an den Feierlichkeiten teil.
Die Waren werden in den ersten Jahren mit dem Auto aus dem gepa-Regionallager
in Seligenstadt geholt. Der Laden tritt der Arbeitsgemeinschaft der 3. Weltläden
und dem Diakonischen Werk Bayern bei.
1982 
Der Laden beteiligt sich (u.a. mit der Lieferung von 1000 Jutetaschen) an "Grün
1982" in Erlangen und es entsteht die erste Auflage der legendären Broschüre
"Bananen – ein Beispiel für Nahrungsmittelimporte".
In dieses Jahr fällt auch unsere erste Bestellung von Textilien in Dehra
Dun – viele weitere folgen. In dieses Jahr fällt auch unsere erste
Diskussion "Ist die gepa noch tragbar?" – viele weitere folgen.
1983 
1983 erhalten wir ein Warenlager im Keller der ESG und unterstützen mit 3000
DM unser erstes Projekt, eine Initiative zur Reinigung eines peruanischen Sees
von Wasserhyazinthen.
1984 
1984 läuft die Aktion "Stopp für gefährliche Pharmaexporte" von
der noch Jahre später ein riesiger "Medizinmann" im Laden kündet. Im
völlig unbekannten Amperpettenbach beteiligen wir uns an der Gründung
der Bayerischen 3. Welt-Handels-Genossenschaft.
Nach heißen Diskussionen wird unser Grundsatzprogramm verabschiedet, dessen
Lektüre wir auch heute noch empfehlen.
1986 
1986 findet die Aktion "Rohstoff Wasser" mit einer Vielzahl von Veranstaltungen,
Filmen und Ausstellungen statt und wir unterstützen ein Wasser(was sonst)-projekt
in San Carlos mit 5000 DM. Auch erscheint unser erster Ladenbrief.
1987 
Trotz der eher ernüchternden Bilanz unserer Aktion "Rohstoff Wasser" vom
letzten Jahr veranstalten wir gleich wieder eine Kampagne, diesmal zum Thema Futtermittel.
1988 
1988 kommt es knüppeldick: wir beteiligen uns an Interlit 2, unter anderem
mit einer Plakataktion und Lesungen, erstellen die Broschüre "Basisgesundheitsversorgung
in der Dritten Welt" und machen bei der Anti-IWF-Kampagne "Hunger ist kein Schicksal
– Hunger wird gemacht" mit.
Der Laden verkauft zum ersten mal Bananen und unterstützt die AG Nicabananen
in Gelnhausen bei dem Vertrieb der verfemten Südfrüchte in Franken.
Auch wurde unsere Gewerbeanmeldung nachgeholt, da diese in den Gründungswirren
glatt vergessen wurde.
Und schließlich, nach langen Diskussionen über unser Verhältnis
zur Lohnarbeit im allgemeinen und deren Verhältnis zum Ehrenamt im speziellen,
richten wir unsere erste hauptamtliche Stelle ein.
1989 
1989 zeigt uns zunächst die Berliner Compagnie ihr Theaterstück "Daimler
Benz in Südafrika". Wir treten dem BUKO bei und veranstalten an der VHS unseren
ersten politischen Kochkurs.
1990 
1990 findet unsere Veranstaltungsreihe zum Thema "Frauen und Arbeit" statt. Wir
treten dem bayerischen Buchhandelsverband bei und erhalten die wunderschöne
Verkehrsnummer 20967. Nach harten Diskussionen über den Sinn und Unsinn des
Handels von Südfrüchten in den gemäßigten Breiten beenden
wir den Verkauf von Bananen für die nächsten 10 Jahre.
1991 
1991 ist unser 10-jähriges Jübilaum. Dies feiern wir mit dem Theaterstück
IXOC der Gruppe teatro vivo, einer Lesung mit Francis Bebey und einem Konzert
von Grupo Sal und Dietmar Schönherr. Wir machen eine Plakataktion, die für
einiges Aufsehen sorgt.
In diesem Jahr können über 45000 DM an Projekte weitergeleitet werden,
darunter alleine 27000 DM für San Jose las Flores in El Salvador.
1992 
1992 steht ganz im Zeichen der "500 Jahre Kolonialismus" Kampagne. Darüber
hinaus findet eine Südafrika-Ausstellung und eine Diskussionsveranstaltung
mit Elmar Altvater statt. Der Laden wird Mitglied im BUKO-Koordinierungsausschuß
und führt seinen ersten Eigenimport von Nicaragua-Hemden durch.
1993 
1993 beteiligen wir uns an Interlit 3 und der O Brasil – Ausstellung. Das
neu gegründete Infobüro gegen Rassismus richtet sich im Laden ein und
wir beginnen den Umtausch von Lebensmitteln aus der Asylbewerber-Zwangsverpflegung.
In keinem unmittelbaren Zusammenhang dazu steht die Einführung von Transfair-Kaffee
in den Supermärkten.
1994 
1994 bekommt das Infobüro gegen Rassismus eine ABM-Stelle, die nacheinander
von Christoph, Markus und Ulla ausgefüllt wird. Wir machen die Plakataktion
"Offene Grenzen für alle" und drucken gleichlautende T-Shirts.
Die Handelsausweitungs- und Professionalisierungsbemühungen von gepa und
AG3WL werden von uns heftig diskutiert und führen schließlich zu unserem
Austritt aus der AG3WL.
1995 
1995 findet die Aktion "1+1 mit Arbeitlosen teilen" statt. So werden in diesem
Jahr die "Faustregeln für KonsumentInnen" neu erarbeiten und die Veranstaltungsreihe
"Aufgeben? Nie! Wir Frauen bewegen die Welt" findet statt.
Es beginnt die Idee eines "neuen Ladens" herumzuspuken. Zunächst stellen
wir uns aber auf unserem ersten Ladenseminar in Eschenbach die Frage: "Arbeit
im Dritte Welt Laden – wie geht's weiter?".
1996 
1996 gibt sich zunächst kulturell mit Lesungen von Chenjerai Hove und Ernesto
Cardenal sowie den Ausstellungen "Labyrinth Fluchtweg" und "Abenteuer Ehe".
Harte Auseinandersetzungen gibt es jedoch um die Zukunft des Ladens. Die Frage
nach Professionalisierung und Handelsausweitung wird sehr intensiv und kontrovers
diskutiert. Ein "neuer Laden" mit einer veränderten Handelskonzeption kommt
jedoch für die Mehrheit unserer MitarbeiterInnen schließlich nicht
in Frage.
1997 
Ein Ergebnis unserer Ladendiskussion ist ein kleiner Ladenumbau – noch heute
suchen KundInnen unsere Kasse in der hinteren Ecke, in der sie fast 17 Jahre gestanden
hat. Unsere Ausstellung "Das ist doch nicht rassistisch…" findet viel Beachtung,
unsere Beteiligung an Interlit 4 eher weniger.
1998 
1998 liest und rapt Lesego Rampolokeng. Wir machen eine Veranstaltung zum Thema
"Was kann denn dieser Mensch dafür, dass er nicht ist so weiß wie ihr?"
und nehmen uns auf unserem Seminar des Themas "Erlassjahr 2000" an. Dies mündet.
1999 
1999 unmittelbar in die Ausstellung "Schulden streichen – jetzt!". Mit der
Veranstaltungsreihe "Saubere Kleidung"
geben wir uns das Thema für die nächste Zeit vor.
2000 
2000 ganz im Zeichen der Aktion "Fit for
Fair". Dabei haben wir mit dem Tanztheater "Antlitz und Schleier" und der
Lesung von Sobonfu Some auch kulturelle Höhepunkte gesetzt.
Wenngleich wir in diesem Jahr wieder begonnen haben Bananen zu verkaufen, ist
dies nicht das Thema, das uns am meisten beschäftigt – dies ist zweifelsohne
unser neues Logo, oder genauer: der Weg dorthin.
2001 
2001 schließlich feiern wir unser 20-jähriges Jubiläum.
