Querbeet in den Berchtesgadener Alpen

Ursprünglich war am letzten Wochenende im Juni die Besichtigung der Eiskogelhöhle im Tennengebirge geplant. Da machte die Fußballeuropameisterschaft einen Strich durch die Rechnung. Statt der Höhle sollte es die Berchtesgadener Sommerreib'n werden. Im Frühjahr hatten sich einige Querbeetler gemeldet, die später aber wieder absprangen. Ich dachte schon allein unterwegs zu sein, als sich Margit am Donnerstag meldete.

Sonntag, 29. 6. 2008

Samstag vormittag war der Wetterbericht immer noch ausgezeichnet und so fuhren wir am Sonntag um 7:00 in Erlangen los und erreichten mit Margits Auto kurz vor 11 Uhr den freien Parkplatz an der Eissporthalle. Auf dem Weg zum Bahnhof begegnete uns der Bus, der uns auf den Obersalzberg und danach zum Kehlsteinhaus hätte bringen können.

Nach einigem Hin und Her mit dem Fahrplan fuhren wir erst um 12:15 Richtung Obersalzberg (971m) und mussten dort feststellen, dass die Fahrt zum Kehlsteinhaus 13 Euro kosten sollte. Das war uns beiden zu viel und wir entschlossen uns, die ehemalige Baustrasse auf der relativ schattigen Nordseite hinauf zu gehen.

Beim Kehlsteinhaus gegen halb drei angekommen löschten wir erst unseren Durst, genossen die Aussicht vom Kehlstein (1837m) und machten uns gegen drei Uhr auf den Weg zum Mannlgrat, den Ostgrat des Hohen Göll.

Der Mannlgrat war ursprünglich Klettergelände im Schwierigkeitsgrad II-IV, ist durch die Anlage eines Klettersteigs entschärft worden und nur mehr Schwierigkeitsgrat I.

Der Mannlgrat war ursprünglich Klettergelände im Schwierigkeitsgrad II-IV, ist durch die Anlage eines Klettersteigs entschärft worden und nur mehr Schwierigkeitsgrat I.

Als wir nach vielen Grattürmen die Göllleiten erreichten ist die Zeit schon zu fortgeschritten, um weiter über den Gipfel zum Stahl-Haus im Süden des Berges zu gehen. So bogen wir gegen 18 Uhr beim Rauchfang (2245m) Richtung Norden auf den Schuster-Steig ab, der über die steile und schrofige Nordflanke des Göll hinab zum Purtschellerhaus (1692m) führt.

Dank der Verlegung des Weges in die versicherten Schrofen können die einstmals im Frühsommer sehr gefährlichen Schneefelder meist bequem umgangen werden.

Richtig heimisch fühlt sich in diesem Gelände aber nur die Gämse.

Der Bergwanderer passt besser genau auf, wo er seinen Fuß hinsetzt.

Erst gegen 9 Uhr ist das Purtscheller Haus erreicht, wo wir Hütteneintopf (sehr scharf wegen der Burenwurst) und Weissbier bestellen. Das Endspiel der Euopameisterschaft ist gerade im Gange, wir freuen uns nach dem langen Tag aber schon auf das Lager.


Montag, 30. 6. 2008

Gegen 7 Uhr erwachen wir beide vom lauten Geräusch des Wassers auf dem Blechdach. Der Himmel hatte sich über Nacht zugezogen und am frühen Morgen seine Schleusen geöffnet.

Der Schreck währte aber nur kurz und bereits um 9 Uhr machten wir uns bei ganz brauchbarem Wetter wieder auf den Weg zurück zum Rauchfang. War Margit anfangs noch skeptisch, ob ihr der regennasse Weg durch die Schrofen gefallen würde machten wir bald gut Fortschritte.

Gegen 10 Uhr lag das Purtscheller Haus schon wieder tief unter uns.

Und knapp nach 11 Uhr sind wir wieder zurück am Rauchfang, wo wir am Vortag abgebogen waren.

Von hier führt der Weg wesentlich einfacher weiter über die Göllleiten zum Gipfel. Das Wetter ist ziemlich ruhig und die sich nur allmählich auflockernde Bewölkung schützt vor der Sonne und all zu großer Wärme.

Vom Gipfel des Hohen Göll (2522m) sind es über 2000m hinab nach Golling (481m) im Salzachtal.

Knapp nach 12 Uhr ist er erreicht. Die Sonne wärmt angenehm, während wir die Gipfelrast geniessen und uns unter anderem mit Ursulas Selbstgebackenem stärken.

Die Sicht ist nicht besonders gut. Um so mehr müssen wir auf den Weg achten.

Erst eine gute Stunde nach dem Aufbruch vom Gipfel können wir einen ersten Blick auf das Stahl-Haus, im Torrener Joch gelegen, erheischen.

Unser heutiger Weg ist noch lange, denn er führt über mehrere Graterhebungen um das Kar im oberen Alpeltal an der Deutsch-Österreichischen Grenze entlang.

Nur selten geben die Wolken den Blick auf den Karboden frei, durch den ein Notabstieg nach Berchtesgaden und bis Anfang Juni hinein eine Schitourenroute auf den Hohen Göll führen.

Während der Kehlstein sich endlich auf der gegenüberliegenden Seite blicken lässt, ziert sich der Hohe Göll den ganzen Nachmittag über, ebenso der Hochkönig.

Nach Überquerung des Hohen Bretts (2338m) steigen wir ab zum Jägerkreuz (2196m), von wo aus wir das Spiel der Wolken über Jenner und Königssee beobachten.

Als wir gegen 17 Uhr endlich zum Stahl-Haus absteigen setzt ein Regenschauer ein, der aber nach dem Abendessen wieder abgeklungen ist, so dass wir noch einen Spaziergang zum Jennergipel unternehmen. Es ist bereits spät abends und so geben die Wolken den Blick frei auf das Hohe Brett, über das wir vom Göll zur Hütte gelangten.

Der Tiefblick zum Königssee ist ungetrübt.

Im Süden zeigt sich hinter der Gotzenalm der massive Stock des Funtenseetauern, in dessen Nachbarschaft die Wasseralm liegt, unser Ziel für morgen.

Um 21:30 Uhr sind wir zurück am Stahl-Haus, das unter anderem durch 2 Schulklassen ziemlich voll geworden ist. Wir waren lange unterwegs und schlafen deshalb trotz der guten Belegung ("kommt in jedem Sommer nur ein oder zwei mal vor") ganz ausgezeichnet im Lager.


Dienstag, 1. 7. 2008

Obwohl der Himmel über Nacht aufklarte ist es am Morgen bereits sehr warm und wir entledigen uns so weit möglich bereits wenige Minuten nach unserem Abmarsch vom Stahl-Haus (7:30) der Kleidung. Endlich können wir auf uneingeschränkte Sicht hoffen.

Einige Minuten unterhalb des Schneibsteins (2276m) treffen wir unerwartet auf ein Rudel von zehn Steinböcken, das sich durch uns überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Die Aussicht vom Schneibstein ist großartig. Margit blickt auf den Gipfel des Göll zurück. Endlich ist der Grat sichtbar, über den wir am Dienstag zum Stahl-Haus gelangten. Trotzdem sollte man sich von der sichtbaren Länge nicht täuschen lassen, denn er ist stark geschwungen und teilweise verdeckt.

Vor uns liegen im Süden Hagengebirge und dahinter der Hochkönig mit dem Matrashaus auf der höchsten Spitze.

Im Westen bieten sich die Watzmannostwand und im Osten das Tennengebirge und dahinter der Hohe Dachstein dar.

Südwestlich verläuft unser Weiterweg am Seeleinsee und Kahlersberg vorbei über das Hochgschirr (1949m) in die Röth mit der Wasseralm (1423m) . Ganz große Steigungen sind nicht zu überwinden, doch ein ständiges Auf und Ab so wie die große Streckenlänge machen sich bemerkbar.

Erst vom Hochgschirr aus läßt sich unser Tagesziel erkennen, die Röth mit dem bekannten Wasserfall.

Der Abstieg zog sich in die Länge, denn er führt um ein Trogtal herum und steigt dabei wieder etwas an.

Auch heute haben wir mit dem Wetter ein bisschen Pech, denn einige Zeit vor der Hütte fängt es an zu regnen und wir ziehen uns um.

Als wir nach dem Abendessen noch die Umgebung erkunden, für einen größeren Spaziergang waren Wetter und Aussicht zu unsicher, entdeckten wir einige Meter neben der Stelle, wo wir uns umgezogen hatten, das Schild "Vorletzte Kurve vor der Wasseralm".


Mittwoch, 2. 7. 2008

Heute haben wir die Wahl, ob wir südlich des Funtenseetauern über die Lange Gasse oder nördlich davon über Halsköpfl, Schwarzensee und Grünsee zum Kärlinger Haus am Funtensee gelangen wollen. Da nachmittags gerne Regen oder Gewitter aufziehen entschliessen wir uns für die einfachere Variante auf der Nordseite, so dass wir am frühen Nachmittag noch den Weiterweg zum Riemannhaus schaffen können.

Das Wetter hat sich über Nacht wieder stabilisiert und wir können das Frühstück ganz gemütlich gegen 7 Uhr vor der Hütte einnehmen.

Der Weg durch die Waldregion ist ein scharfer Kontrast zu den drei Tagen Fels am Anfang. Der Blick zurück auf unsere Route läßt die Ausgesetztheit der Wege am Horizont nur ahnen.

Die liebliche Landschaft läßt die Risiken des Gebirgspfades vergessen.

Plötzlich gleitet Margit an einer Holzstufe aus und rutscht auf ihren Stöcken liegend ungebremst mit dem Kopf voran die steile Treppe hinunter, so schnell wie ich kaum hinterher laufen kann.

Als sie endlich zum Stillstand kommt ist außer ein paar Prellungen nichts passiert und sie kann den Weg auch ohne Stöcke fortsetzen.

Beim Kärlinger Haus (1630m) angekommen halten wir nur ein kurze Rast, denn die Wolken verdichten sich wieder und uns steht noch der Weg über das Steinerne Meer bevor.

Obwohl Nationalpark wird das Gebiet noch als Schafweide genutzt.

Das Gelände wird wieder zunehmend rauer und das Wetter verschlechtert sich. Die Schönfeldspitze (2653m) verschwindet in den Wolken.

Gleich darauf wird es wieder hell und wir scheinen dieses mal Glück mit dem Wetter zu haben.

Schließlich gewinnt doch das Gewitter die Oberhand und wir werden in den letzten 20 Minuten vor dem Riemannhaus ziemlich nass.

Die Erleichterung ist groß, als wir trocken, satt und unversehrt in der Hütte das Ende des Gewitters abwarten können.

Schon eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Die Gruppen eines Bergrettungskurses begeben sich wieder auf ihre Übungsplätze in den umliegenden Felswänden.

Der Blick nach Süden auf die hohen Tauern mit Wiesbachhorn, Großglockner und KItzsteinhorn wird frei.

Vom Gipfel des Sommerstein neben dem Riemannhaus, den wir nach dem Essen noch besteigen, bietet sich ein ausgezeichneter Blick auf die umliegenden Berge Watzmann, Breithorn, Hundstod, Schönfeldspitze oder die Grasberge in Süden des Steinernen Meeres.


Donnerstag, 3. 7. 2008

Für heute ist eine Wetteränderung gemeldet. Ab Mittag soll eine Kaltfront durchziehen, die starke Gewitter mit Abkühlung bringt. Die Bergwacht frühstückt schon um 6 Uhr, damit sie ihr Programm möglichst vollständig absolvieren kann und auch wir haben beschlossen, früh aufzustehen, um über das Ingolstädter Haus und die Wimbachgrieshütte ins Tal zur Wimbachbrücke abzusteigen.

Die Beckenlagen von Saalfelden und Zell am See verstecken sich zwar unter einer dicken Nebelschicht, ansonsten ist das Wetter aber momentan einwandfrei.

Wir lassen das Riemannhaus rasch hinter uns, nähern uns aber nur ganz langsam Hundstod und Watzmann.

Mehrmals taucht das Ingolstädter Haus hinter Felsvorsprüngen am Fuß des Hundstods auf (hier am linken Bildrand) und verschwindet wieder, bis wir es gegen 10 Uhr erreichen, um dort eine kleine Pause zu machen.

Obwohl vielerorts noch viel Schnee liegt blüht es an den aperen Stellen schon ganz üppig selbst in der Höhenlage des Ingolstädter Hauses (2119m).

Bevor wir das Steinerne Meer über das Hundstodgatterl (2188m) verlassen können müssen wir noch einmal auf 2010m absteigen, um durch den gut zu begehenden Firn wieder aufzusteigen..

Am Gatterl ist die Watzmann-Südspitze schon ganz nahe.

Ein Stück weiter zeigt sich der Hochkalter und endlich das Wimbachgries.

Am Trischübelpass werden die Teufelshörner, oberhalb der Wasseralm gelegen, wieder sichtbar.

Nach einer Stärkung bei der Wimbachgrieshütte begann die letzte Etappe unserer Rundwanderung.

Erst weit unten im Tal tritt der Wimbach zu Tage und bildet dann sogar eine Klamm.

Wie schon auf der Anreise versäumten wir knapp den Bus zurück nach Berchtesgaden. Das angekündigte Schlechtwetter war weiter nördlich bereits über ganz Deutschland gezogen. In der Berchtesgadener Ecke verzögerte es sich, so dass wir ganz angenehm im Gastgarten auf unseren Bus warten konnten.

Erst als wir vom Bus in das Auto umstiegen konnte man ahnen, dass es bald losgehen würde und als wir dann die Autobahn erreicht hatten war es tatsächlich so weit.


Karl Mistelberger
Last modified: Tue Mar 3 15:12:58 CET 2009